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19.10.2026 15:15

Forschungstransfer im Fokus: Mehr als 120 KI-Talente und Expert:innen beim AI Grid Summit in Berlin

Heike Leonhard DFKI Saarbrücken
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

    Wie wird aus exzellenter KI-Forschung eine konkrete Anwendung? Diese Frage stand am 14. und 15. Oktober beim AI Grid Summit im Forum Digitale Technologien in Berlin im Mittelpunkt. AI Grid, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Netzwerk für junge KI-Forschende, brachte mehr als 120 Nachwuchstalente sowie Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und dem deutschen KI-Ökosystem zusammen. In Keynotes, Diskussionen, Workshops und Deep-Dive-Sessions tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, wie wissenschaftliche Erkenntnisse gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert schaffen können.

    Deutschland verfügt über eine starke Ausgangsposition in der KI-Forschung. Laut OECD liegt das Land bei der Anzahl wissenschaftlicher KI-Publikationen weltweit auf Rang fünf und bei deren Qualität, gemessen an Zitierungen, auf Rang vier. Besondere Stärken sieht die OECD unter anderem in Robotik, Computer Vision und Natural Language Processing. Doch exzellente Forschung allein sichert noch keine internationale Wettbewerbsfähigkeit: Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) betont in ihrem Jahresgutachten 2026, dass Deutschland und Europa dafür auch leistungsfähige KI-Infrastruktur, einen innovationsfreundlichen regulatorischen Rahmen und eine breite wirtschaftliche Anwendung von KI benötigen. Genau an dieser Schnittstelle setzt AI Grid an: Das Netzwerk bringt junge KI-Forschende mit erfahrenen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen und fördert so Kooperationen und die Entstehung neuer Anwendungen.

    „Deutschland hat hervorragende KI-Forschung. Entscheidend ist, jungen Forschenden frühzeitig die Netzwerke und Unterstützung zu bieten, die sie brauchen, damit aus ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen Innovationen entstehen können. AI Grid versteht sich als Brücke zwischen Forschung, Wirtschaft und Entrepreneurship“, sagte Laure Poirson, Projektleiterin von AI Grid. Prof. Dr. Wolfgang Wahlster, Vorsitzender des Präsidiums von AI Grid und Chief Executive Advisor am DFKI, sagte: „Wenn es um KI geht, liegt die große Chance für Deutschland in der industriellen Anwendung. Wir müssen uns auf kompaktere Sprachmodelle, aber auch auf kleine Aktions- und Prozessmodelle fokussieren. Diese sind schneller, mit weniger Aufwand zu erstellen und zu betreiben. Im AI Grid haben wir, als Fabrikausstatter der Welt, mit unseren jungen KI-Talenten das große Potential, uns auf Augenhöhe dem Wettbewerb aus den USA und China stellen zu können.“

    Von der Forschungsarbeit zu Lösungen mit Wirkung
    Wie Forschung in die Praxis gelangen kann, war eines der zentralen Themen des Summit. Dr. Tina Klüwer, Executive Director von AI NATION, KI-Forscherin und Unternehmerin, gab zum Auftakt der Diskussion „From Lab to Real World Applications“ einen Impuls zum Technologietransfer. „Der Transfer von Forschung in die Praxis bereitet mir Sorgen und hält mich nachts wach. Er dauert schlichtweg zu lange. Wir reden hier nicht von Wochen oder Monaten, sondern von Jahren, die es mitunter braucht. In Zeiten von wirtschaftlicher Stagnation können wir uns solche langen Transferfenster nicht leisten. Die Frühförderungen, das Potential und die Talente sind vorhanden. Was wir brauchen, sind mehr Ausgründungen aus Hochschulen heraus, und einen Dialog zwischen der Gesellschaft, Unternehmen und der Wirtschaft, damit Gründungen langfristig erfolgreich sind“, sagte Dr. Tina Klüwer, Executive Director von AI NATION, der nationalen Plattform für KI-Start-ups.

    Gemeinsam mit Vertretern aus Forschung und Innovationsmanagement diskutierten die Teilnehmenden im Anschluss, welche Bedingungen den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in konkrete Anwendungen unterstützen können. Dabei zeigte sich, dass sich Deutschland – angesichts der bestehenden Industrie – auf industrielle KI-Anwendungen konzentrieren sollte. Die wirtschaftliche Relevanz des Transfers zeigt sich auch in der deutschen Start-up-Landschaft. Laut dem Deutschen Startup Monitor 2026 geben 53,3 % der deutschen Start-ups an, dass KI im Zentrum ihres Produkts steht. Zugleich bleiben bei Ausgründungen aus der Forschung Herausforderungen bestehen: Eine 2025 veröffentlichte Befragung des Startup-Verbands unter 1.846 innovativen und wachstumsorientierten Unternehmen verweist unter anderem auf Verbesserungsbedarf bei Geschwindigkeit und Rahmenbedingungen des Transfers von Schutzrechten aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

    Wie ein Forschungsergebnis zu einem marktfähigen Produkt werden kann, zeigten beim Summit auch die Mini Challenges. In diesem Format stellten zivilgesellschaftliche Organisationen und Unternehmen den jungen Forschenden konkrete Problemstellungen vor, für die KI neue Lösungsansätze bieten kann – etwa zur Verbesserung von Investitionsentscheidungen und Wirkungsanalysen in der Entwicklungsfinanzierung, zur effizienteren Gestaltung von Versorgungsprozessen in Krankenhäusern oder zur besseren Prognose des Energieverbrauchs und Nutzung von Ressourcen.

    KI-Forschung muss Sicherheit mitdenken
    Mit der wachsenden Leistungsfähigkeit von KI-Systemen gewinnt auch die Frage ihrer Sicherheit an Bedeutung. Die jüngsten Vorfälle bei großen KI-Unternehmen wie OpenAI haben zudem zu einer verstärkten Überwachung und höheren Sicherheitsanforderungen für KI-Systeme geführt. Deutschland hat im August 2026 mit AISI Deutschland ein nationales AI Safety and Security Institute ins Leben gerufen. Es soll Fähigkeiten und Risiken moderner KI-Modelle analysieren und Lösungen für einen sicheren Umgang mit KI-Systemen entwickeln. Zugleich schafft der europäische AI Act einen risikobasierten Rechtsrahmen, der Innovation ermöglichen und Grundrechte und Sicherheit schützen soll.

    Für den KI-Forscher und AI Grid-Mitglied Felix Mächtle beginnt Sicherheit nicht erst beim fertigen Produkt. Mächtle promoviert im Bereich IT-Sicherheit für generative Systeme und beschäftigt sich unter anderem mit Maschinellem Lernen und Cybersecurity. Seine Forschung zeigt, warum bei zunehmend autonom agierenden KI-Systemen nicht nur einzelne Modellausgaben betrachtet werden sollten, sondern auch das Zusammenspiel von Modellen, Werkzeugen, Infrastruktur und Kontrollmechanismen.

    „Ein persönliches Highlight des Summits war für mich der interdisziplinäre Austausch, insbesondere während der Poster Session. Dabei wurde deutlich, wie wertvoll unterschiedliche Forschungsperspektiven sind, um neue Ideen zu entwickeln und zentrale Fragen rund um Themen wie Fairness, Vertrauenswürdigkeit und Erklärbarkeit von KI gemeinsam zu diskutieren. Umso mehr hat es mich gefreut, dass diese Themen auch in den Vorträgen aufgegriffen wurden“, sagt Felix Mächtle, KI-Forscher an der Universität zu Lübeck.

    Zwei Tage für Forschung, Transfer und die nächste Generation von KI-Talenten
    Neben dem Transfer von Forschung in konkrete Anwendungen widmete sich der AI Grid Summit 2026 der Frage, welche Perspektiven junge KI-Forschende für ihre weitere Karriere haben. Am zweiten Veranstaltungstag standen Karriere, Entrepreneurship und internationale Forschungsprogramme im Mittelpunkt. In Workshops und auf einem „Career & Opportunities Marketplace“ konnten sich die Teilnehmenden über Karrierewege in Wissenschaft und Wirtschaft, Unternehmensgründungen, Forschungsaufenthalte, Fördermöglichkeiten und Projektkooperationen austauschen. Ein eigenes Coaching-Format richtete sich dabei gezielt an Forscherinnen.

    Der Summit bot damit Raum, aktuelle Fragen der KI-Forschung aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren und Kontakte zwischen Nachwuchsforschenden und erfahrenen Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft zu vertiefen.

    Wir bedanken uns bei unseren Partnern, die am Summit mitgewirkt haben: AI NATION, BIFOLD, CAIMed, DAAD, DFKI, Forum Digitale Technologien, HPI, ScaDS.AI, TU Berlin und Women in AI.

    Über AI Grid – die KI-Talentschmiede mit europäischem Anspruch
    AI Grid ist eine vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Initiative zur Förderung junger KI-Forschender. Mit über 450 Mitgliedern und Alumni, 50 Micro Focus Groups (spezialisierte Communities zu Themen wie Robotik, Deep Learning und vertrauenswürdige KI), über 120 Mentor:innen aus Wissenschaft und Wirtschaft, 12 internationalen Botschafter:innen baut AI Grid ein Netzwerk für wissenschaftlichen Austausch, Mentoring und Karriereentwicklung auf. Das Netzwerk organisiert jährlich rund 20 exklusive Veranstaltungen, unter anderem an europäischen KI-Standorten.

    AI Grid-Kontakt
    Varenia-Louisa Weiland
    Kommunikationsmanagerin
    varenia@ai-grid.org

    Lars Kitzmann
    EuroComms
    +49 178 788 2961
    lars@euro-comms.com


    Bilder

    Von links nach rechts: Dr. Aljoscha Burchardt, DFKI, Dr. Tina Klüwer, AI Nation, Dr. Susanne Perner, TU Berlin, Jakob Haardt, EURICE, und Prof. Dr. Dr. Wolfgang Wahlster, AI Grid und DFKI.
    Von links nach rechts: Dr. Aljoscha Burchardt, DFKI, Dr. Tina Klüwer, AI Nation, Dr. Susanne Perner, ...
    Quelle: Stefanie Loos
    Copyright: Stefanie Loos


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Informationstechnik
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft
    Deutsch


     

    Von links nach rechts: Dr. Aljoscha Burchardt, DFKI, Dr. Tina Klüwer, AI Nation, Dr. Susanne Perner, TU Berlin, Jakob Haardt, EURICE, und Prof. Dr. Dr. Wolfgang Wahlster, AI Grid und DFKI.


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