idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
13.09.1999 15:02

Bitterfeld - eine einmalige Herausforderung

Ingrid Godenrath Stabsstelle Zentrale Kommunikation
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

    Unter dem Motto "Umwelt 2000 - Geowissenschaften für die Gesellschaft" findet an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg vom 22.-25. September 1999 eine internationale Fachtagung statt. Die offizielle Eröffnung ist am 22. September 1999, 9:00 Uhr, im Melanchthonianum, Universitätsplatz 8/9.

    "Sehen wir uns nicht in dieser Welt, dann sehen wir uns in Bitterfeld." Die vor über hundert Jahren geprägte Redewendung wird für einige Geowissenschaftler, die aus allen Teilen der Welt anreisen, Wirklichkeit. "In Bitterfeld gibt es eine besondere Situation der Überlagerung geowissenschaftlicher Herausforderungen", so Professor Dr. Peter Wycisk, Umweltgeologe und Geschäftsführender Direktor des "Universitätszentrums für Umweltwissenschaften" (UZU) an der Martin-Luther-Universität.
    Der Braunkohleabbau in Bitterfeld erforderte, dass das Wasser aus dem Erdreich abgepumpt werden mußte. Die Vorkommen sind nun erschöpft. Der Bergbau ist eingestellt worden. Das Grundwasser steigt wieder an. Mit dem jahrzehntelangen Braunkohleabbau wurden aber auch Mineralien wie zum Beispiel Pyrit freigelegt. In Verbindung mit Sauerstoff kommt es zur Oxidation. Treten das ansteigende Grundwasser und die Pyritoxidation in Kontakt bildet sich Schwefelsäure. Das Ergebnis ist Wasser, das sauer ist. Leben ist in Gewässern mit einem hohen Versauerungsgrad kaum möglich. Auch das Baden könnte in solchen Seen zum Extremsport werden.
    Im Normalfall hat der Boden unter anderen die Funktion eines Filters und kann das Grundwasser auf natürliche Weise reinigen. Wenn aber das Erdreich durch eingelagerte Abfallprodukte der Chemischen Industrie, die zu DDR-Zeiten auch in Bitterfeld ansässig war, verunreinigt ist, dann kann der Boden seine natürlichen Funktionen nicht mehr unvermindert ausüben. Die Kontamination des Bodens und des Grundwassers, mit überwiegend halogenierten Chlorkohlenwasserstoffen, erfordert aufgrund seiner großräumigen Verbreitung neue Sanierungstechnologien.
    Diese besonderen Anforderungen ruft die gesamte Branche der Geowissenschaftler auf den Plan. Bitterfeld ist das Ziel einer der Exkursionen, die von den Organisatoren der Tagung "Umwelt 2000 - Geowissenschaften für die Gesellschaft" angeregt wurde.
    Das Organisationsteam der Tagung setzt sich aus neunzehn Fachgesellschaften und -institutionen zusammen. Es ist der Versuch, die in zahlreichen einzelnen und hochspezialisierten Sektionen organisierten Geowissenschaften auf einer Tagung zusammenzuführen. "Gemeinsam", so Professor Wycisk, "sind wir viel besser in der Lage, eine gemeinsame Sicht zu entwerfen und praktikable Problemlösungen zu erarbeiten".
    Die zentrale Aufgabe der Tagung ist die Diskussion von Handlungskonzepten zur Sicherung des Grundwassers und zum Bodenschutz, der erst seit März diesen Jahres gesetzlich verankert ist. Voraussetzung ist die Analyse der biogeochemischen Prozesse und ihrer Auswirkungen auf Mensch und Natur. Die Ergebnisse müssen dann in Handlungsstrategien münden, die anstehende Sanierungsmaßnahmen und ein dauerhaftes Umweltmanagement ermöglichen. Dabei spielt auch die Effizienz der Sanierungsverfahren eine Rolle. Alternativ zu aktiven, und das bedeutet energiereichen und damit kostenaufwendigen, Sanierungstechniken wird der Einsatz von passiven "in-situ-Verfahren" gezielt in Betracht gezogen. Im Rahmen des Projektverbundes "SAFIRA" des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle wird die Anwendbarkeit solcher Dekontaminationsverfahren der "Reaktiven Wände" am Modellstandort Bitterfeld überprüft.
    "Den Behörden und der Verwaltung", so Wycisk, "sollen geeignete, das heißt ökologisch wie ökonomisch vertretbare, Sanierungsstrategien und -methoden angeboten werden."

    Und sehen wir uns nicht in Bitterfeld, dann sehen wir uns in dieser Welt - hoffentlich gesund wieder. Die Geowissenschaften wollen einen Beitrag dazu leisten: sauberes Wasser und ein intakter Boden sind zwei elementare Umweltmedien. Davon hängt nicht unwesentlich ab, ob unsere Welt eine Zukunft hat. Die Tagung "Umwelt 2000", veranstaltet von der "Gesellschaft für UmweltGeowissenschaften" und dem "Universitätszentrum für Umweltwissenschaften" an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg.

    Bianca Bast

    Nähere Informationen zur Tagung:
    c/o Universitätszentrum für Umweltwissenschaften (UZU)
    Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    06099 Halle
    Prof. Dr. Peter Wycisk
    Tel.: (0345) 55 217 46
    Fax: (0345) 55 270 98

    e-mail: wycisk@geologie.uni-halle.de

    Internetadresse: http://www.uzu.uni-halle.de/seiten/umwelt2000/umwelt2.html


    Weitere Informationen:

    http://www.uzu.uni-halle.de/seiten/umwelt2000/umwelt2.html


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Geowissenschaften, Meer / Klima, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).