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20.10.2008 16:25

Volkskundler der WWU Münster untersuchten Nutzung von Schlössern

Juliette Ritz Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

    Junge Stimmen hallen durch die barocke Eingangshalle. Am einfachen Holztisch haben sich Jugendliche versammelt und tauschen den neusten Tratsch aus. Doch mamorne Türrahmen, schwere Flügeltüren aus Eiche und der Kamin mit der gedrechselten Fassung zeigen: An diesem Ort ging es einst hochherrschaftlich zu. Die Jugendbegegnungsstätte Burg Gemen ist nur einer von 25 Adelssitzen im deutsch-niederländischen Grenzgebiet, die Dr. Britta Spies und Dr. Ulrike Frede vom Institut für Europäische Ethnologie/Volkskunde der WWU Münster mit Studierenden erforscht haben. Ihre Ergebnisse sind nun auf rund 300 Seiten in dem reich bebilderten Band "Schlösser und Kastelen" erschienen.

    Ob Jugendburg, Standesamt oder Wohnsitz: Wie die Häuser heute genutzt werden, ist so unterschiedlich wie ihre wechselvollen Geschichten. Im Mittelpunkt des Projekts standen sowohl die jahrhundertealte Historie der Anwesen wie auch das Leben in und mit diesen Häusern in der Gegenwart. Und so recherchierten die jungen Forscher nicht nur in Archiven, sondern befragten auch die Bewohner und Besitzer in den Niederlanden und in Deutschland.

    Die 25 Porträts des Buchs erzählen die besonderen Geschichten der historischen Adelssitze. Da ist etwa das Kasteel Slangenburg im niederländischen Doetinchem, das heute eine benachbarte Benediktinerabtei als Gästehaus nutzt. Prächtige Wand- und Deckenmalereien aus dem 17. Jahrhundert zieren die Räume. In mythologischer Symbolik erzählen sie von der Tragik verlorener Liebe. In Auftrag gegeben hatte sie General Frederik Johan van Baer, der nach kurzer Zeit des Eheglücks seine geliebte Frau Dorothea durch eine Krankheit verlor. Aus Trauer setzte er der Verstorbenen mit den Malereien ein einmaliges Denkmal.

    Da ist Huis Bergh im niederländischen 's-Heerenberg: Die Wasserburg erwarb 1912 der Industrielle Jan Herman van Heek und verwirklichte seinen "Traum vom Mittelalter". Er sammelte mittelalterliche Kunst und ließ die Anlage nach einem Brand auf den mittelalterlichen Stand zurückbauen. Noch heute lernen Besucher hier nicht nur viel über eine Epoche, sondern auch über den Burgbesitzer und seine Leidenschaft. "Die Häuser sind nicht nur Gebäude, sondern spiegeln zugleich die Lebens- und Liebesgeschichten ihrer Besitzer", sagt Spies.

    Häuser wie Schloss Surenburg in Riesenbeck oder Haus Alst in Horstmar dienen dem westfälischen Adel noch heute als Wohnsitz. Dort herrscht mehr Normalität, als die meisten denken: Im Hausflur liegen die Gummistiefel der Enkelkinder, im Wohnzimmer schaut die Familie fern, in der Küche wird gekocht. "Nur beim Fensterputzen sind es nicht fünf, sondern 50 Fenster", sagt Frede schmunzelnd. Ein solches Haus heute zu erhalten erfordere hohes persönliches und finanzielles Engagement, so die Volkskundlerin. Dennoch sähen viele Adelsfamilien genau darin ihren kulturellen Auftrag: Schlösser zu erhalten und von Generation an Generation weiterzugeben.

    Das Buch "Schlösser & Kastelen" ist im Tecklenborg Verlag unter der ISBN-Nummer 978-3-939172-39-0 in deutscher und niederländischer Sprache erschienen.


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-muenster.de/Volkskunde/ Institut für Europäische Ethnologie/Volkskunde


    Bilder

    Schloss Anholt ist heute nicht nur Wohnsitz des Fürsten Salm-Salm, sondern wird auch als Hotel und Museum genutzt.
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    Quelle: upm/Lisa Volkamer

    Dr. Britta Spies und Dr. Ulrike Frede (v.l.) haben mit Studierenden die Nutzung von Schlössern erforscht und den Bildband "Schlösser und Kastelen" herausgegeben.
    Dr. Britta Spies und Dr. Ulrike Frede (v.l.) haben mit Studierenden die Nutzung von Schlössern erfor ...
    Quelle: upm


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Kulturwissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

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