idw - Informationsdienst
Wissenschaft
Venki Ramakrishnan ist Rolf-Sammet-Gastprofessor an der Goethe-Universität. Vom 22.- 26. Juni hält er Vorträge für interessierte Laien, Studierende und Wissenschaftler.
FRANKFURT. In Fachkreisen gilt Venki Ramakrishnan als Kandidat für den Nobelpreis. Der gebürtige Inder entschlüsselte als Erster die Struktur des gesamten Ribosoms, einer molekularen Maschine, die in der Zelle den genetischen Code in Eiweiße (Proteine) übersetzt. Die Struktur des riesigen Moleküls mit einer Masse von umgerechnet 2,5 Millionen Wasserstoff-Atomen war bis dahin nur in Teilen bekannt. Ramakrishnan gelang es, den Molekülkomplex zu kristallisieren und die Anordnung der mehr als 50 Proteine mitsamt der t-RNA und m-RNA durch Röntgenbeugung aufzuklären. Diese Arbeiten geben wertvolle Hinweise zur Funktion des Ribosoms sowie mögliche Angriffspunkte für pharmazeutische Wirkstoffe. Insbesondere untersuchte der Forscher, wie Antibiotika das Ribosom von Bakterien angreifen und sie dadurch unschädlich machen. In der Woche vom 22. - 26. Juni besucht er als Rolf-Sammet-Stiftungsgastprofessor die Goethe-Universität. Der Rolf-Sammet-Preis der Aventis Foundation erlaubt seit 1985 jährlich, herausragende Forscher der Lebenswissenschaften an die Goethe-Universität einzuladen.
"Das Spannende am meiner Arbeit besteht darin, etwas sichtbar zu machen, was noch kein Mensch auf diesem Planeten gesehen hat", erklärt der heute im britischen Cambridge tätige Forscher, "wenn die Röntgenstruktur zum ersten Mal auf dem Computer-Bildschirm erscheint und ich versuche sie zu verstehen, ist das vermutlich so aufregend wie bei früheren Forschungsreisenden, die ein neues Tal oder gar einen neuen Kontinent entdeckten". Diese Faszination wird Ramakrishnan in einer öffentlichen Vorlesung am 22. Juni in einer für interessierte Laien verständlichen Form vermitteln. Weitere Vorlesungen richten sich an Studierende auf den Campi Niederrad (23.6. um 11:15 Uhr und 18:15 Uhr) und Riedberg (25.6. um 10:00 Uhr und 26.6. um 17:00 Uhr). "Das Ribosom ist die bedeutendste zelluläre Maschine. Hier von Venki lernen zu können, wie man strukturell die Synthese von Proteinen versteht, ist eine einmalige Chance für die Studenten und Forscher an unserer Universität," erklärt Prof. schwalbe, der als Kurator den diesjährigen Sammetpreisträger nach Frankfurt gelockt hat.
Venki Ramakrishnan, dessen Eltern beide Naturwissenschaftler waren, studierte zunächst Physik an der indischen Baroda University. Nach seiner Dissertation in theoretischer Physik an der Ohio University wechselte er an die University of California in San Diego, wo er sich biologischen Fragen zuwandte. Als Postdoktorand an der Yale University (1978-82) untersuchte er erstmals eine Untereinheit des Ribosoms von E. coli mithilfe von Neutronenstreuung. Seitdem ist das Ribosom sein Forschungsgebiet. Von 1983-95 arbeitete er am Brookhaven National Laboratory; 1995-99 war er Professor an der University of Utah. Seit 1999 arbeitet er am MRC Laboratory of Molecular Biology in Cambrigde, Großbritannien. Ramakrishnan ist Mitglied zahlreicher angesehener wissenschaftlicher Gesellschaften, unter anderem der European Molecular Biology Organization (EMBO), der Royal Society, der amerikanischen National Academy of Sciences und der indischen National Science Academy. 2008 wurde er zum Fellow des Trinity College in Cambridge ernannt.
Die Rolf Sammet-Stiftung wurde 1985 zu Ehren des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Hoechst AG, Prof. Rolf Sammet, ins Leben gerufen. Der heutige Rolf Sammet-Fonds der Aventis Foundation ist mit einem Stiftungsvermögen von rund 500.000 € ausgestattet und vergibt jährlich eine Gastprofessur in Zusammenarbeit mit der Universität Frankfurt. "Mit dieser Gastprofessur soll der internationale wissenschaftliche Austausch der Universität in Forschung und Lehre, insbesondere im Bereich der Lebenswissenschaften gefördert werden" sagt Prof. Dr. Günther Wess, Mitglied des Kuratoriums des Rolf Sammet-Fonds.
Die Aventis Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main und wurde im Oktober 1996 von der Hoechst AG unter dem Namen Hoechst Foundation gegründet. Im Jahr 2000 wurde die Stiftung in Aventis Foundation umbenannt. Sie dient der Förderung von Kultur, gesellschaftlichen Projekten mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen sowie der Wissenschaft, Forschung und Lehre.
Informationen: Prof. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Zentrum für biomolekulare magnetische Resonanz (BMRZ), DFG-Cluster of Excellence: Macromolecular Complexes. Campus Riedberg, Tel.: (069)798-29737, schwalbe@nmr.uni-frankfurt.de.
In Kooperation mit: Aventis foundation
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.
Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Biologie
regional
Buntes aus der Wissenschaft
Deutsch

Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.
Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).
Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.
Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).
Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).