idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
05.11.2009 08:25

Paradigmenwechsel in der Krebstherapie

Johannes Scholten Pressestelle
Philipps-Universität Marburg

    Krebsmedikamente wirken anders als bislang gedacht. Marburger Mediziner haben einen zellulären Signalweg aufgeklärt, der verbesserte Heilungschancen eröffnet und eine vollkommen neue Interpretation nahelegt, wie klassische Chemotherapien wirken: Anders als üblicherweise angenommen, unterdrückt das Krebsmedikament Cytarabin nicht die Vermehrung von Tumorzellen, sondern regt diese zur Differenzierung an.

    Das Onkologen-Team um Professor Dr. Andreas Neubauer erforscht die molekularen Ursachen einer Blutkrebserkrankung, die mit der unkontrollierten Vermehrung von Blutstammzellen einhergeht, nämlich die Akute myeloische Leukämie (AML). Die Krankheit lässt sich mit einer Vielzahl genetischer Faktoren vage in Verbindung bringen. Ein Fünftel der Patienten trägt eine Mutation im Rat sarcoma-Gen (Ras), die zu einem krebsfördernden Gen führt, das dann onkogenes Ras genannt wird. Die Genveränderung trägt dazu bei, dass sich die betroffenen Stammzellen unkontrolliert vermehren, statt zu reifen Blutkörperchen und Blutplättchen zu differenzieren.

    Gemeinhin wird angenommen, dass gängige Krebsmedikamente wie Cytarabin die Teilung der Krebszellen blockieren und bei diesen ein Zelltod-Programm anschalten. Die Wissenschaftler von der Philipps-Universität haben nun herausgefunden, warum hohe Dosen des Zellgifts Cytarabin gerade bei denjenigen AML-Patienten besonders gut wirken, die das Ras-Onkogen tragen. Um die Wechselwirkung besser zu verstehen, nutzte das Forscherteam modifizierte Maus-Stammzellen, die sich nicht zu reifen Zellen differenzieren können. Stattdessen wurden sie zur dauerhaften Zellteilung angeregt. Wie die Wissenschaftler zeigen, schaltet das Zellgift Cytarabin in Kombination mit onkogenem RAS einen zelleigenen Mechanismus an, der die krebstypische Zellvermehrung stoppt und die Zellen statt dessen zur Reifung veranlasst.

    Die Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass sich die Heilungschancen von Leukämiepatienten nach einer Chemotherapie verbessern könnten, wenn man zelleigene Differenzierungsmechanismen unterstützt. Die Wissenschaftler regen an, neue Wirkstoffe und Behandlungsprotokolle für die AML-Therapie ins Auge zu fassen, welche die Zelldifferenzierung fördern. "Der Erfolg einer solchen Maßnahme ist jedoch vom genetischen Hintergrund der betroffenen Krebszellen abhängig", geben die Forscher in der heutigen Ausgabe der Online-Publikation "PLoS One" zu bedenken.

    Originalveröffentlichung: Mona Meyer & al.: "Oncogenic RAS enables DNA damage- and p53-dependent differentiation of acute myeloid leukemia cells in response to chemotherapy", PLoS One 2009, Publikation im Internet: http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0007768

    Weitere Informationen:
    Ansprechpartner: Professor Dr. Andreas Neubauer,
    Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Immunologie
    Tel.: 06421 58-66272
    E-Mail: neubauer@staff.uni-marburg.de


    Bilder

    Die Räumliche Gestalt des Ras-Proteins NRas GTPase
    Die Räumliche Gestalt des Ras-Proteins NRas GTPase
    Quelle: (Abb.: RCSB Protein Data Bank/L. Nedyalkova & al.)


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).