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Wissenschaft
Adhäsions-G-Protein-gekoppelte Rezeptoren sind an zahlreichen menschlichen Erkrankungen beteiligt. Dennoch sind bisher keine Medikamente zugelassen, die auf diese Signalmoleküle abzielen. Forscher:innen der Universität Leipzig und der Shandong Universität in China haben das therapeutische Potenzial dieser Rezeptoren in einer hochrangigen Studie zusammengefasst. Aktuell werden 17 der 33 bekannten menschlichen Adhäsions-GPCR mit bestimmten Krankheiten in Verbindung gebracht. Damit eröffnet sich ein breites Spektrum von Ansatzpunkten zur Entwicklung neuer Medikamente. Die Arbeit wurde in Nature Reviews Drug Discovery veröffentlicht, einem der weltweit führenden Journale für Wirkstoffforschung.
Adhäsions-GPCR bilden eine große Klasse von Oberflächenproteinen, die im Körper chemische und mechanische Reize erkennen. Das weiter stark wachsende Wissen, über diese Rezeptoren Erkrankungen zu therapieren, lässt die Hoffnung auf eine baldige klinische Anwendung aufkommen. Obwohl derzeit keine Medikamente zugelassen sind, die auf diese Rezeptoren abzielen, sind mehrere aGPCR-Modulatoren verfügbar, die das Potenzial für den Übergang zur klinischen Anwendung aufweisen. Modulatoren sind entscheidend für die Regulation der Stoffwechselwege und spielen eine große Rolle in der Pharmakologie zur gezielten Steuerung von Rezeptoraktivitäten.
Die aktuelle Studie bietet eine umfassende Zusammenstellung aller bekannten natürlichen und synthetischen therapeutischen Modulatoren der Adhäsions-GPCR, bewertet deren Wirkungsweise und stellt wichtige Daten zu Einsatzkonzentrationen übersichtlich in Tabellenform bereit. Sie bietet außerdem eine Übersicht zu den bisher bekannten physiologischen Funktionen dieser Rezeptorfamilie. Der wissenschaftliche Artikel kondensiert 30 Jahre Forschung an Adhäsions-GPCR in knapp 300 Referenzen und stellt damit auch den Weg von Molekülen mit unbekannter Funktion zum greifbaren Medikamentenansatz nach. Die Informationen sollen Forscher:innen, Ärztinnen und Ärzten sowie Vertreter:innen der pharmazeutischen Industrie als praktische Orientierung dienen. „Das Wissen über die Rolle von Adhäsions-GPCR in menschlichen Erkrankungen wächst rasant. Mit unserer Arbeit wollen wir dazu beitragen, die Brücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung weiter zu festigen“, sagt Prof. Dr. Dr. Ines Liebscher, Studienleiterin vom Rudolf-Schönheimer-Institut für Biochemie der Medizinischen Fakultät.
Am Rudolph-Schönheimer-Institut für Biochemie entwickeln die Forscher:innen derzeit neue Verbindungen, die gezielt einzelne Signalwege dieser Rezeptoren ansprechen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf sogenannten biased Agonisten – also Wirkstoffen, die gezielt nur gewünschte Signalkaskaden anregen und so ungewollte Nebenwirkungen minimieren könnten. Neben dem Einfluss auf Stoffwechselprozesse stehen auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, der Myelinisierung und der Krebsentstehung im Fokus.
Erst kürzlich haben die Forscher:innen der Universität Leipzig und der Shandong Universität in China gemeinsam den Wirkstoff AP503 entdeckt. Ein hochspezifischer Aktivator des Adhäsions GPCR GPR133. In verschiedenen Mausmodellen konnte AP503 sowohl die Muskelkontraktilität verbessern als auch Knochenschwund bei Osteoporose eindämmen. Die aktuelle Publikation in Nature Reviews Drug Discovery ist die vierte erfolgreiche Zusammenarbeit des Rudolf-Schönheimer-Instituts für Biochemie mit dem Team von Prof. Jin-Peng Sun, Shandong-Universität. In diesem renommierten Fachjournal, das zentrale Entwicklungen der Arzneimittelwirkung einordnet und zukünftige Forschungsrichtungen prägt, einen Übersichtsartikel zu veröffentlichen, ist eine besondere Anerkennung für Wissenschaftler:innen, da hier Publikationen nur auf eine Einladung hin möglich sind.
Weitere Informationen: Seit mehr als zehn Jahren sind Adhäsions-G-Protein-gekoppelter Rezeptoren ein wichtiger Forschungsschwerpunkt an der Universität Leipzig. Seit 2019 arbeiten Wissenschaftler:innen dazu auch im Sonderforschungsbereich 1423 „Strukturelle Dynamik der GPCR-Aktivierung und Signaltransduktion“. International gilt Leipzig als führendes Zentrum auf diesem Forschungsgebiet.
Prof. Dr. Dr. Ines Liebscher
Rudolf-Schönheimer-Institut für Biochemie
Medizinische Fakultät, Universität Leipzig
E-Mail: Ines.liebscher@medizin.uni-leipzig.de
Tel.: 0341/97-22141
Originalpublikation in Nature Reviews Drug Discovery: The therapeutic potential of orphan adhesion G-protein-coupled receptors. DOI: https://doi.org/10.1038/s41573-025-01371-6
https://www.uni-leipzig.de/newsdetail/artikel/forschung-fuer-staerkere-knochen-u...
Modulatoren spielen eine große Rolle zur gezielten Steuerung von Rezeptoraktivitäten. Mehrere Modula ...
Quelle: Grafik erstellt mit Illustrae
Copyright: Ines Liebscher
Prof. Dr. Dr. Ines Liebscher
Quelle: privat
Copyright: Universität Leipzig
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wissenschaftler
Biologie, Chemie, Medizin
überregional
Forschungs- / Wissenstransfer, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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