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05.03.2026 10:00

Drogengewalt in Mexiko: Tötungsdelikte stiegen nach NAFTA

Maria John Sanchez Exzellenzcluster ECONtribute
Universität zu Köln

    Nach Einführung des Freihandelsabkommens NAFTA kamen entlang zentraler Schmuggelrouten in Richtung USA mehr Menschen gewaltsam ums Leben als in den Jahren zuvor / Veröffentlichung im „Journal of Development Economics“

    Die Öffnung der Handelsgrenzen durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) ab 1994 ging einher mit einem deutlichen Anstieg der Drogengewalt in mexikanischen Regionen, die als Routen für den Drogenschmuggel dienten. Das zeigt eine aktuelle Studie von Erik Hornung, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln und Mitglied im Exzellenzcluster ECONtribute der Universitäten Köln und Bonn. Zusammen mit seinen Co-Autoren Eduardo Hidalgo, Ph.D. (Promotion an der Universität zu Köln) und Professor Pablo Selaya, Ph.D. (Universität Kopenhagen) kommt er zu dem Ergebnis: In Gemeinden entlang strategischer Drogenhandelsrouten stieg die Zahl der Tötungsdelikte von Männern im Alter von 15 bis 39 Jahren nach Inkrafttreten des Abkommens um 2,1 Fälle pro 100.000, was einem Zuwachs von 26 Prozent entspricht. In Gemeinden ohne solche Routen blieb ein vergleichbarer Anstieg aus.

    Gewalt konzentrierte sich auf strategische Handelsrouten

    Die Forscher untersuchten, wie sich die Gewalt nach Inkrafttreten von NAFTA im Jahr 1994 räumlich entwickelte. Dafür verknüpften sie kommunale Daten zu Tötungsdelikten mit selbst berechneten optimalen Schmuggelrouten. Mithilfe des sogenannten Dijkstra-Algorithmus identifizierten sie jene Strecken, die historische Drogenumschlagplätze in Mexiko mit US-Landgrenzübergängen unter Nutzung des bestehenden Straßennetzes verbanden.
    Das Ergebnis: Der Anstieg der Gewalt trat fast ausschließlich in Gemeinden auf, die direkt an diesen berechneten Schmuggelachsen lagen. Besonders stark war der Effekt auf Abschnitten zu US-Grenzübergängen mit hohem Handelsvolumen und stark wachsendem Warenverkehr infolge von NAFTA. In weiter entfernten Regionen ging die Gewalt teilweise zurück.

    Drogen konnten leichter über die Grenze geschmuggelt werden

    Mit Inkrafttreten von NAFTA im Jahr 1994 verdoppelten sich die mexikanischen Exporte in die USA, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, innerhalb weniger Jahre. Gleichzeitig nahm der grenzüberschreitende Lkw-Verkehr stark zu, während die Kontrollquoten sanken. Illegale Drogen wie Cannabis, Opium und Kokain konnten leichter in legalen Warenströmen versteckt und über stark frequentierte Grenzübergänge transportiert werden. „Dadurch stiegen offenbar die Gewinne mexikanischer Drogenkartelle und der Wert, die profitabelsten Schmuggelrouten zu kontrollieren“, sagt Professor Hornung. „Das führte zu einem verschärften gewaltsamen Wettbewerb zwischen kriminellen Organisationen um diese Korridore.“

    Die Studie prüfte auch alternative Erklärungen für die Zunahme der Gewalt. NAFTA veränderte die mexikanische Wirtschaft erheblich, unter anderem durch stärkeren Importwettbewerb im Agrarsektor, vor allem bei Maisbauern. Theoretisch hätten niedrigere Einkommen dazu führen können, dass sich kriminelle Aktivitäten eher lohnen, wenn die Alternative, legale Arbeit zu verrichten, weniger Ertrag bringt. Die Analysen zeigen jedoch: Der beobachtete Effekt, dass die Gewalt entlang von Schmuggelrouten stieg, ließ sich nicht durch den steigenden Handelswettbewerb erklären. Die Schmuggelrouten überschneiden sich nicht mit Regionen, die von Importkonkurrenz betroffen sind. Außerdem gab es keine Effekte bei Bevölkerungsgruppen außerhalb typischer Täterprofile und keine Zunahme anderer Todesursachen wie Unfälle oder Suizide.

    Die Ergebnisse sprechen damit klar für einen sogenannten „Raubgier-Effekt“: Steigende Gewinne im illegalen Sektor führten zu gewaltsamem Wettbewerb um strategische Schmuggelachsen.

    Gemeinden entlang der identifizierten Schmuggelwege wiesen auch über die 2000er Jahre hinweg überdurchschnittlich hohe Raten an Tötungsdelikten mit Bezug zum Drogenhandel auf. Die Gewalt ist vor allem auf Konflikte rivalisierender Kartelle zurückzuführen, Auseinandersetzungen mit Polizei oder Militär spielten eine untergeordnete Rolle.
    „Unsere Studie zeigt, dass Freihandel trotz aller Vorteile unbeabsichtigte Folgen haben kann“, sagt Professor Hornung. „Den Freihandel deswegen abzuschaffen ist aber keine Lösung. Stattdessen brauchen wir gezielte Maßnahmen gegen drogenbedingte Gewalt.“

    ECONtribute: Markets & Public Policy
    Der Exzellenzcluster ECONtribute, getragen von den Universitäten in Bonn und Köln, beschäftigt sich mit drängenden gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen wie globalen Finanzkrisen, steigender Ungleichheit, politischer Polarisierung, Digitalisierung und dem Klimawandel. Wissenschaftler*innen aus den Wirtschaftswissenschaften und verwandten Disziplinen entwickeln innovative Ansätze, um Märkte und Politik zu analysieren und Antworten auf solche Herausforderungen zu finden.

    Presse und Kommunikation:
    Maria John Sánchez
    Science Communications Manager ECONtribute
    +49 228 73 7859
    maria.johnsanchez@uni-bonn.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Professor Dr. Erik Hornung
    Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
    Exzellenzcluster ECONtribute
    +49 221 470 2331
    hornung@wiso.uni-koeln.de


    Originalpublikation:

    https://doi.org/10.1016/j.jdeveco.2026.103719


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Verkehr / Transport, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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