idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
20.04.2026 11:00

KI-gestütztes Projekt erforscht Zusammenhang zwischen Darmerkrankungen und Parkinson-Krankheit

Blandina Mangelkramer Presse und Kommunikation
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Forschende der FAU wollen Diagnose und Therapie beider Erkrankungen verbessern

    Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen ein leicht erhöhtes Risiko haben, im späteren Leben an der Parkinson-Krankheit zu erkranken. Die Gründe dafür sind noch unklar. Dr. Pooja Gupta, Gruppenleiterin für „Bioinformatik für Multi-Omics“ am Uniklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), wird dieser Frage in den kommenden fünf Jahren nachgehen. Ihr Projekt „AI-PREDICT“ setzt künstliche Intelligenz ein, um die potenziellen biologischen Zusammenhänge zwischen beiden Krankheiten zu untersuchen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert die Initiative mit rund zwei Millionen Euro.

    Der Darm beherbergt eine enorme Vielfalt an Bakterien, Viren und Pilzen – ähnlich viele, wie der menschliche Körper Zellen hat. Dieses komplexe Ökosystem mit seinen Stoffwechselprodukten und Signalmolekülen hat einen tiefgreifenden Einfluss auf das Gehirn. So gibt es Hinweise darauf, dass Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) häufiger an der Parkinson-Krankheit (PK) erkranken. „In unserem Projekt wollen wir molekulare Muster identifizieren, die bei beiden Erkrankungen auftreten“, sagt Gupta. „Auf diese Weise hoffen wir unter anderem, Personen mit einem erhöhten PK-Risiko frühzeitiger identifizieren zu können.“

    Molekulare Wechselwirkungen zwischen Darm und Gehirn

    Die genauen molekularen Wechselwirkungen zwischen CED und PK sind noch ungeklärt. Um diese Wissenslücke zu schließen, wird Guptas Team unter Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) mehrere biologische Ebenen gleichzeitig untersuchen, von der mikrobiellen Zusammensetzung im Verdauungstrakt der Betroffenen bis hin zu Genen, Proteinen und Stoffwechselprodukten, die bei beiden Krankheiten besonders häufig vorkommen. Durch die gemeinsame Analyse dieser Ebenen möchte das Team Entzündungssignaturen aufdecken, die sowohl den Darm als auch das Gehirn betreffen. Dadurch erhofft es sich einen Einblick in die Entstehung von CED und PK und den Grund, warum sie gehäuft gemeinsam auftreten.

    „Um diese Fingerabdrücke zu identifizieren, werden wir neuartige Deep-Learning-Techniken wie beispielsweise graphische neuronale Netze einsetzen“, erklärt Gupta. „Mit ihnen können wir analysieren, wie verschiedene biologische Moleküle miteinander interagieren.“ Dies ermöglicht es der KI, Patientinnen und Patienten nicht nur nach ihren Symptomen, sondern nach den spezifischen molekularen Mustern ihrer Erkrankung zu gruppieren. „Wir hoffen zudem, mit Hilfe der gefundenen Signaturen Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome vorhersagen zu können, bei welchen Personen mit CED ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer PK vorliegen könnte“, erläutert die Wissenschaftlerin. Erkenntnisse aus dem Projekt könnten so dazu beitragen, den Ausbruch der PK proaktiv zu verzögern oder zu verhindern.

    Das Training der Verfahren erfolgt mit Daten von CED- und PK-Erkrankten. Diese stammen sowohl aus Erlangen (Prof. Dr. Markus Neurath, Medizinische Klinik 1, sowie Prof. Dr. Jürgen Winkler, Molekular-Neurologische Abteilung) als auch aus internationalen Kohorten. Eine große Herausforderung besteht darin, diese verschiedenen Quellen zu harmonisieren, um vergleichbare und robust interpretierbare Analysen zu ermöglichen.

    Ein Entwurf für die Medizin der Zukunft

    Die Auswirkungen von AI-PREDICT gehen über CED und PK hinaus. Durch die Modellierung der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Organsystemen kann das Projekt eine Blaupause für die Untersuchung weiterer Komorbiditäten liefern. Darunter versteht die Medizin Fälle, in denen Patientinnen und Patienten gleichzeitig an mehreren Krankheiten leiden, deren Entstehung zusammenhängt.

    Um das Projekt zum Erfolg zu führen, baut Gupta auf ein interdisziplinäres Netzwerk aus klinischen Fachleuten und Computerspezialistinnen und -spezialisten. Es wird an der Stammzellbiologischen Abteilung (Leitung: Prof. Dr. Beate Winner) angesiedelt.

    Bildmaterial zum Download:
    https://www.fau.de/2026/04/news/forschung/ki-gestuetztes-projekt-erforscht-zusam...

    Ansprechpartnerin für Medien:
    Dr. Pooja Gupta
    Uniklinikum Erlangen
    Tel.: 09131/85-42840
    pooja.gupta@uk-erlangen.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Pooja Gupta
    Uniklinikum Erlangen
    Tel.: 09131/85-42840
    pooja.gupta@uk-erlangen.de


    Weitere Informationen:

    https://www.fau.de/2026/04/news/forschung/ki-gestuetztes-projekt-erforscht-zusam... Bildmaterial zum Download


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).