idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
22.06.2026 12:00

KI soll soziale Hilfe schneller, passgenauer und gerechter machen

Blandina Mangelkramer Presse und Kommunikation
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    KIDaS: FAU-koordiniertes Projekt macht mit KI soziale Angebote transparenter

    Wer soziale Hilfe braucht, muss in Deutschland oft lange warten, obwohl passende Angebote vielerorts existieren. Das Forschungsprojekt KIDaS will das ändern. Mit einer KI-gestützten Datenplattform sollen soziale Dienstleistungen künftig schneller gefunden, besser koordiniert und gezielter weiterentwickelt werden. Ziel des Verbundprojekts, das von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) koordiniert wird: Menschen in schwierigen Lebenslagen passgenauer zu unterstützen und Sozialarbeitende spürbar zu entlasten. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrtmit mehr als 1,9 Millionen Euro gefördert, rund 770.000 Euro davon gehen an die FAU.

    Angefangen von der Pflege- und Erziehungsberatung über Alltagsunterstützung, wie Essen auf Rädern und Hilfe beim Einkaufen, bis zur Unterstützung bei Schulden oder Suchterkrankungen: Viele soziale Dienstleistungen in Deutschland sind bislang nur schwer auffindbar oder unzureichend miteinander vernetzt. Für Betroffene bedeutet das oft lange Wartezeiten, unübersichtliche Zuständigkeiten und Hilfe, die nicht optimal zur eigenen Situation passt. Gleichzeitig investieren Kommunen und Sozialträger jedes Jahr Milliardenbeträge in Eingliederungs- und Sozialhilfeleistungen. Hier setzt das neue Verbundprojekt KIDaS (KI-gestützte Datenplattform für Soziale Services) an, das Anfang 2026 gestartet ist.

    Dieses baut auf einer langjährigen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Sozialverwaltung und Praxispartnern auf. Koordiniert wird das auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt vom FAU-Lehrstuhl für Digital Industrial Service Systems, Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im Zentrum von KIDaS steht die Entwicklung einer digitalen Plattform, die Wohlfahrtsverbände, Beratungsstellen, soziale Einrichtungen und Hilfesuchende besser miteinander vernetzt. Die Plattform soll sichtbar machen, welche sozialen Angebote es gibt, welche Kapazitäten verfügbar sind und welche Leistungen zu den individuellen Bedürfnissen eines Menschen passen.

    Damit soziale Hilfe passgenau ankommt

    „Wir wollen mit KIDaS dazu beitragen, dass soziale Hilfe schneller dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Genau darin liegt für uns der gesellschaftliche Nutzen von Digitalisierung“, betont Prof. Dr. Martin Matzner, Inhaber des Lehrstuhls für Digital Industrial Service Systems an der FAU sowie Leiter und Koordinator des Gesamtprojekts. Bislang müssen Sozialarbeitende häufig mühsam recherchieren, welche Einrichtungen freie Plätze haben oder welche Angebote zu einem konkreten Fall passen könnten. Gerade kleinere Vereine und soziale Initiativen verfügen oft nicht über die Ressourcen, ihre Angebote regelmäßig in Datenbanken oder Portalen zu pflegen.

    KIDaS setzt deshalb auf generative KI: KI-Agenten sollen Informationen automatisiert sammeln, aktualisieren und strukturieren. Mitarbeitende müssen die Daten anschließend nur noch prüfen und freigeben. „Vor allem verbessern wir damit die Situation der Menschen, die Unterstützung brauchen“, sagt Dr. Martin Käppel, Post-Doc am Lehrstuhl für Digital Industrial Service Systems und Projektleiter. „Sie sollen schneller passende Hilfe erhalten und sich stärker einbezogen fühlen, statt im System verloren zu gehen.“

    Fachkräfte gezielt unterstützen

    Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist ein sogenanntes „Service-Sonar“. Dabei analysiert die Plattform öffentlich zugängliche Informationen, etwa aus Selbsthilfeforen oder sozialen Medien, um frühzeitig gesellschaftliche Entwicklungen und neue Unterstützungsbedarfe zu erkennen. „Während der Corona-Pandemie haben sich auf diese Weise beispielsweise steigende Bedarfe nach psychologischer Unterstützung oder Angeboten gegen Einsamkeit früher identifizieren lassen“, unterstreicht Martin Matzner.

    Die Forscher betonen dabei, dass KI menschliche Entscheidungen nicht ersetzen soll. Vielmehr gehe es darum, Fachkräfte gezielt zu unterstützen und bessere Entscheidungsgrundlagen bereitzustellen. „Vertrauen in staatliche und soziale Institutionen entsteht vor allem dann, wenn Hilfe funktioniert und Menschen sich ernst genommen fühlen“, sagt Matzner. „Gerade angesichts von Fachkräftemangel und steigenden Anforderungen brauchen wir intelligente Werkzeuge, die Beschäftigte entlasten und zugleich die Qualität sozialer Leistungen verbessern.“

    Soziale Unterstützung zugänglicher machen

    Langfristig soll KIDaS bundesweit nicht nur eine bessere Übersicht über soziale Angebote schaffen, sondern auch Innovationen im Sozialbereich fördern. Beteiligt an KIDaS sind außerdem die Universität Kassel (Fachgebiet Wirtschaftsinformatik, Prof. Dr. Jan Marco Leimeister), die ANLEI-Service GmbH als Tochtergesellschaft für Anwendungssysteme und IT in der Sozialverwaltung des Landeswohlfahrtsverbands Hessen (LWV) und das IT-Unternehmen Dataciders PRODATO. Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt im Rahmen der Initiative „Nutzen in Daten-Ökosystemen: Wettbewerb - Kommunikation – Kooperation“, kurz: „DigiNutzenDat“.

    Weitere Informationen:
    Prof. Dr. Martin Matzner
    Lehrstuhl für Digital Industrial Service Systems
    martin.matzner@fau.de

    Dr. Martin Käppel
    Lehrstuhl für Digital Industrial Service Systems
    martin.kaeppel@fau.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Martin Matzner
    Lehrstuhl für Digital Industrial Service Systems
    martin.matzner@fau.de

    Dr. Martin Käppel
    Lehrstuhl für Digital Industrial Service Systems
    martin.kaeppel@fau.de


    Bilder

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Informationstechnik
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).