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14.04.2011 14:36

Experte zum Welt-Stimm-Tag: Die Stimme braucht Pflege

Susann Huster Pressestelle
Universität Leipzig

    Mit dem Menschen altert auch die Stimme. Regelmäßig melden sich Patienten mit altersbedingten Stimmstörungen in der Spezialsprechstunde von Prof. Michael Fuchs, Leiter der Sektion für Phoniatrie und Audiologie an der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig. "Ein Paradebeispiel ist die 70-jährige Frau, für die der Chor Lebensmittelpunkt ist, und deren Stimme plötzlich nicht mehr ins Klanggefüge passt", sagte er anlässlich des Welt-Stimm-Tages am 16. April.

    In derlei Fällen kann meist gut geholfen werden. Zuerst muss geklärt werden, ob die stimmlichen Veränderungen krankheitsbedingt oder altersbedingt sind, sagt Fuchs: "Jede Heiserkeit, die länger als drei Wochen besteht, kann auf eine ernsthafte Erkrankung hindeuten, beispielsweise eine Lähmung der Stimmlippen oder einen Tumor. Für eine Stimmalterung typisch ist eine langsam zunehmende Heiserkeit. Diese so genannte Presbyphonie tritt meist nach dem Ende der Berufstätigkeit auf, also etwa im Alter von 65 bis 70 Jahren."

    Ursache der Presbyphonie ist wie bei der Gesichtshaut eine nachlassende Elastizität: Die Stimmlippen schließen nicht vollständig oder nicht lange genug. Auch gehen Feinmotorik und Feinsteuerung mit dem Lebensalter zurück. "Das Gefühl für die Stimme kann verloren gehen", so Prof. Fuchs. Dazu kommen mit dem Alter Schwerhörigkeit, Kurzatmigkeit, so dass es an Stütze für die Stimme mangeln kann. Auch trockene Schleimhäute sind ein Thema. Es gibt rund 200 Medikamente, die die Schleimhäute angreifen können. Eine veränderte Stimme ist dann nicht überraschend. Ein logopädisches oder gesangspädagogisches Training kann nicht unbedingt Wunder, aber doch eine ganze Menge bewirken. Medikamentös gibt es wenig Möglichkeiten. Im Gegensatz zum Besuch einer Saline sieht der HNO-Arzt eine Dampf-Inhalation oder einen Saunagang skeptisch. Die Inhalation bringt zwar etwas bei Schnupfen, weil sie die Schleimhäute abschwellen lässt, aber nichts für den Kehlkopf. Sauna-Aufgüsse können im Kehlkopf sogar regelrechte Verbrühungen bewirken. Kaltinhalationen mit einem speziellen Inhalationsgerät sind dagegen sehr wirksam.

    Wenn die Übungsbehandlung und Pflege des Stimmapparates nicht ausreichen, kann chirurgisch mit zwei Eingriffsarten geholfen werden: Einerseits mit einem "Lifting der Stimmbänder", bei dem körpereigenes oder auch Fremdmaterial in die Stimmlippen gespritzt werde, so dass sie sich wieder elastisch schließen können. Alternativ kommt die Kehlkopfgerüstchirurgie in Betracht. Hierbei werde zum Beispiel bei einer Thyroplastik der Stimmlippenschluss verbessert, indem die Stimmlippe von außen in die Mittellinie verlagert wird. Beide Operationen werden von der Krankenkasse bezahlt, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht.

    "Die menschliche Stimme ist einzigartig", sagt Prof. Fuchs. "Wir können damit alles ausdrücken - was uns freut und ärgert, was uns aufregt und bewegt. Deshalb sollten wir unsere Stimme gut pflegen. Sie ist ja das einzige Instrument, das wir immer bei uns tragen, ohne es ins Futteral stecken und wegpacken zu können. Und eine neue Stimme können wir uns nicht kaufen."

    Weitere Informationen:

    Prof. Michael Fuchs
    Tel.: +49 341 97-21800
    E-Mail: michael.fuchs@medizin.uni-leipzig.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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