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11.05.2011 17:01

„Forschungsstelle für Pharmakoökonomie“ an der FAU eingerichtet

Pascale Anja Dannenberg Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Für die wissenschaftlich fundierte Beratung der Pharmaindustrie in volks- und betriebswirtschaftlichen Fragen könnte die Einrichtung einer „Forschungsstelle für Pharmakoökonomie“ am Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) den Beginn einer Trendwende markieren. Seit Ende 2010 stellt die Firma Sanofi‑Aventis Mittel bereit, um drei Jahre lang für diesen Forschungsbereich eine wissenschaftliche Teilzeitstelle am Nürnberger Fachbereich Wirtschaftswissenschaften zu finanzieren. Am 6. Mai 2011 hat die Arbeit der neuen Forschungsstelle offiziell begonnen.

    „Pharmakoökonomie und insbesondere Pharmamanagement sind an deutschen Hochschulen eher selten vertreten“, stellt Prof. Dr. Oliver Schöffski, der Leiter des Lehrstuhls, mit Blick auf die bisherige Situation fest. „Obwohl Deutschland nach wie vor einer der größten Pharmamärk­te weltweit ist, nimmt die deutsche Pharmaindustrie in den letzten Jahren nicht mehr dieselbe internationale Führungsposition ein wie in der Vergangenheit.“ Beide Partner wollen etwas tun, um das zu ändern, und beide profitieren von der Kooperation: die Universität durch den Zugriff auf Praxiswissen und die Identifikation von aktuellen, relevanten Forschungsfragen, Sanofi‑Aventis durch den vereinfachten Zugang zu qualifiziertem Nachwuchs und zu wissenschaftlichen Ansprechpartnern für Problemlösungen.

    Auf Jana Wolf Sussman, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Lehrstuhls in der Forschungsstelle für Pharmakoökonomie, wartet bereits eine Reihe von Projekten mit Fragestellungen, die auch außerhalb der Branche interessant sind. Lassen sich „maßgeschneiderte“ Medikamente für klar abgrenzbare Personengruppen finden, und liegt darin künftig die Basis für ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell? Wie steht es um den volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen der Ersatztherapie bei Drogensucht? Worin besteht – im Hinblick auf die Besonderheiten des biopharmazeutischen Marktes – bei der Einführung eines neu entwickelten Produkts das optimale Vorgehen? Mit diesen drei Vorhaben, die zunächst in Angriff genommen werden sollen, kann die Spannweite der Forschung an der neuen Institution umschrieben werden.

    Medizin für die Masse oder Pille nach Maß?
    Über den derzeitigen deutlichen Trend zur „Personalisierten Medizin“ kann die Pharma-Branche nicht hinweggehen. Unterstützt von Pharmakogenomik und Pharmakogenetik wenden führende Unternehmen für die Suche der „Pille nach Maß“ immer mehr Mittel auf. Inwiefern sind solche Pillen aber überhaupt vorstellbar? Kann medizinische Behandlung exakt auf konkrete Personen oder „nur“ auf bestimmte Patientengruppen bezogen werden?

    Da der Begriff bisher nicht genau definiert ist, soll in dem Projekt zunächst geklärt werden, was unter „Personalisierter Medizin“ überhaupt zu verstehen ist – worum es sich also bei einer „Pille nach Maß“, die an die Stelle von „Medikamenten für die Masse“ treten soll, tatsächlich handeln könnte. Außerdem wird nach dem Nutzen, den Möglichkeiten und Grenzen solcher Arzneimittel und ihrer künftigen Bedeutung für die Pharma-Branche gefragt. Dazu wird einerseits die aktuelle nationale und internationale Marktsituation dieser Produkte untersucht, andererseits werden für alle Marktteilnehmer und mit besonderem Fokus auf die Patienten für einen „Markt der Personalisierten Medizin“ Prognosen erstellt.

    Wirtschaftlichkeit von Heroin-Ersatztherapie
    Substitutionstherapie, also die kontrollierte medikamentöse Behandlung von heroinabhängigen Patienten mit Ersatzmedikamenten (= Substitutionsmitteln) unter medizinischer Betreuung, ist von hoher gesellschaftlicher Relevanz und Brisanz. Das Pharmaunternehmen Sanofi-Aventis ist in diesem Bereich tätig und veranstaltet seit vielen Jahren Parlamentarische Abende, zu denen die Drogenbeauftragte der Bundesregierung sowie die drogenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen eingeladen werden. Fachleute und Politiker diskutieren hier aktuelle Themen und neue Aspekte der Substitutionstherapie.

    Einer der Schwerpunkte des Parlamentarischen Abends soll 2011 die gesundheitsökonomische Bewertung der Substitutionsmedizin sein. Prof. Oliver Schöffski wird gemeinsam mit seinem Team eine derartige wissenschaftlich abgesicherte Beurteilung erarbeiten und den Politikern sowie ausgewählten Suchtmedizinern vortragen. Im Kern steht die klare Darstellung des volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzens dieser speziellen Therapie, aus der Anregungen für Veränderungen in der aktuellen Drogen- und Gesundheitspolitik abgeleitet werden können.

    Ein „Kochbuch“ für die Markteinführung
    Die Neueinführung, eine entscheidende Phase im Lebenszyklus eines jeden Produkts, ist in der biopharmazeutischen Industrie ein besonders kritischer Zeitpunkt. Aufgrund der Marktstrukturen und der starken Reglementierungen durch Gesundheits- und Wirtschaftlichkeitsbehörden ist es sehr schwierig, den Kurs im Nachhinein zu ändern, wenn der Erfolg sich nicht von Anfang an einstellt. Bislang existieren kaum wissenschaftliche Abhandlungen darüber, wie bei einer Produkteinführung optimal vorzugehen ist. Im Projekt „Key Considerations for BioPharmaceutical Product Launches“ wird zunächst ein aktuelles Bild der pharmazeutischen Landschaft gezeichnet. Daraufhin werden die Kernelemente einer Produktneueinführung anhand des Unternehmensumfelds analysiert, vor allem mit Blick auf die betroffenen Interessensgruppen, die Produkteigenschaften und die organisatorischen Überlegungen. Neben den wissenschaftlichen Grundlagen werden Beispiele und Instrumente aus der Praxis hinzugezogen. Ergebnis der Arbeit soll eine Art „Kochbuch“ für eine erfolgreiche Markteinführung pharmazeutischer Produkte sein.

    Zur Person
    Jana Wolf Sussman hat unter Einschluss von Aufenthalten in London und Buenos Aires an der European Business School Betriebswirtschaftslehre studiert. In den vergangenen zehn Jahren nahm sie in den USA verschiedene Positionen in der Pharmaindustrie ein. Dabei sammelte sie Erfahrung im internationalen Pharma- und Biotechnologie-Management (Forschung & Entwicklung, Strategie, Marketing und Vertrieb). Die Erfolgskomponenten für Produktneueinführungen, ihr bisheriger Schwerpunkt, sind auch das Thema ihrer aktuellen Dissertation am Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement.

    Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 29.000 Studierenden, 590 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel „familiengerechte Hochschule“.

    Mehr Informationen:
    Prof. Dr. Oliver Schöffski
    Tel.: 0911/5302-313
    Oliver.Schoeffski@wiso.uni-erlangen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Chemie, Medizin, Wirtschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsprojekte
    Deutsch


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