idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
15.02.2012 10:20

Zeige mir deine Finger, und ich sage dir deine Gesichtsform

Alexander Dworzak Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsmanagement
Universität Wien

    Das Verhältnis von Zeige- zu Ringfinger gilt als Richtmaß für die hormonelle Umgebung innerhalb der Gebärmutter. Unabhängig von Körperhöhe, Körpergewicht und Alter erklärt es allein 15 Prozent der Varianz in der Gesichtsform von Kindern. Je länger der Ringfinger im Verhältnis zum Zeigefinger, desto robuster ist das Gesicht von Buben, so eine Forschungsgruppe um Katrin Schäfer vom Department für Anthropologie der Universität Wien. Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe des Journals " Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht.

    In mehr als 60 Fachartikeln pro Jahr wird das Verhältnis von Zeige- zu Ringfinger thematisiert. ForscherInnen des Departments für Anthropologie der Universität Wien konnten für Jungen zwischen vier und elf Jahren einen signifikanten Zusammenhang zwischen ihrer Gesichtsform und dem Verhältnis von Zeige- zu Ringfinger, dem sogenannten 2D:4D-Wert, nachweisen. Je länger der Ringfinger (4D) im Verhältnis zum Zeigefinger (2D), desto robuster ist das Gesicht mit niedrigerer Stirn und breiterem Unterkiefer. Mit einem höheren 2D:4D-Wert geht eine grazilere Gesichtsform einher.

    Präpubertäre "Aktivierung" nachgewiesen

    Das Fingerlängenverhältnis wird als retrospektiver Marker für die hormonelle Umgebung in der Gebärmutter herangezogen. Je kleiner der 2D:4D-Wert, also je länger der Ringfinger im Verhältnis zum Zeigefinger, desto höher war die Testosteronexposition des Fötus in den ersten zwölf Wochen der Schwangerschaft. "Bisher ist man davon ausgegangen, dass der Zusammenhang von Testosteron und Gesichtsform vorgeburtlich 'organisiert' und in der Pubertät 'aktiviert' wird. Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Ausprägung bei Buben bereits präpubertär besteht", erklärt Katrin Schäfer vom Department für Anthropologie der Universität Wien und Leiterin der Studie.

    Bereits in früheren Untersuchungen konnten die ForscherInnen zeigen, dass Erwachsene mit einem größeren 2D:4D-Wert grazilere Gesichtsformen hatten als solche mit einem kleineren Fingerlängenverhältnis. Jener Einfluss war bei Männern dreimal so hoch wie bei Frauen.

    Forschungsergebnisse dank Geometrischer Morphometrie

    Die aktuellen Ergebnisse wurden mit der Methode der Geometrischen Morphometrie erzielt – in deren Entwicklung und Anwendung das Department für Anthropologie der Universität Wien zu den weltweit führenden Zentren zählt. Diese koordinatenbasierten Analyseverfahren erlauben erstmals den Einfluss einzelner Variablen auf biologische Formvariation zu quantifizieren. Innovativ ist hierbei auch, dass sich die Ergebnisse nicht nur als Zahlen, sondern auch als Bilder darstellen lassen, wie in dieser Studie das Ergebnis einer Regression der Gestaltkoordinaten von Kindergesichtern auf ihr Fingerlängenverhältnis.

    Wer gilt als männlich?

    "Männer mit kleinerem Fingerlängenverhältnis und robusterer Gesichtsform gelten interessanterweise als männlicher und dominanter als jene mit einem größeren Fingerlängenverhältnis und grazileren Gesichtern", sagt Anthropologin Katrin Schäfer. Sie leitet daraus die spannende Frage ab, ob nicht auch Buben entsprechend unterschiedlich beurteilt und behandelt werden – sei es von Eltern, LehrerInnen, Spiel- oder Klassenkameraden: "Dies wäre eine bedeutende Information für das tägliche Zusammenleben und für Personen in pädagogischen Berufen."

    Die ForscherInnen beschäftigen sich auch mit der evolutionären Relevanz; der Frage, inwieweit dieser Gestaltvariation biologische Anpassungen zu Grunde liegen. Wenig bekannt sind zudem bislang die unmittelbaren Mechanismen, beispielsweise der Anteil der Mutter an der hormonellen Umgebung des Fötus, und der Einfluss von Stress und sozialem Ranggefüge. Die derzeit laufenden Studien behandeln erweiternd Mädchen und Jugendliche im interkulturellen Vergleich sowie die Erfassung der Gesichtsform in drei Dimensionen mittels Oberflächenscanner.

    Publikation
    Second-to-fourth digit ratio and facial shape in boys: the lower the digit ratio, the more robust the face (Konstanze Meindl, Sonja Windhager, Bernard Wallner und Katrin Schaefer). In: Proceedings of the Royal Society B (Online ahead of Print), 15. Februar 2012.

    Wissenschaftlicher Kontakt
    ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Katrin Schäfer
    stv. Leiterin des Departments für Anthropologie
    Universität Wien
    1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA I)
    T +43-1-4277-547 47
    katrin.schaefer@univie.ac.at

    Rückfragehinweis
    Mag. Alexander Dworzak
    Öffentlichkeitsarbeit
    Universität Wien
    1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
    T +43-1-4277-175 31
    M +43-664-602 77-175 31
    alexander.dworzak@univie.ac.at


    Weitere Informationen:

    http://medienportal.univie.ac.at/presse - Medienportal der Universität Wien mit Bildern zur Presseaussendung in printtauglicher Auflösung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).