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15.11.2012 13:03

Wird Zuckerchemie die Welt verändern?

Kerrin Zielke Presse und Kommunikation
Freie Universität Berlin

    International führende Vertreter der Glykowissenschaft beraten auf Dahlem-Konferenz der Freien Universität Berlin vom 18. bis 21. November über Perspektiven des Fachs

    Die Herausforderungen und Chancen der Zuckerwissenschaft für die Gesundheits-, Material- und Umweltforschung stehen im Mittelpunkt der Dahlem-Konferenz vom 18. bis 21. November an der Freien Universität Berlin. Zu der Tagung werden weltweit führende Experten der sogenannten Glykowissenschaft erwartet.

    Kohlenhydrate, die im Mittelpunkt der Glykowissenschaft stehen, zählen neben den Eiweißen zu den wichtigsten Bausteinen des Lebens. Die Glykobiologie wird ebenso wie die Genetik und Proteomik – die Erforschung von Proteinen in einer Zelle oder einem Organismus – zu den drei „Sprachen des Lebens“ gerechnet. Seit wenigen Jahren erst können Kohlenhydrate synthetisiert werden. Seither steht das Feld für die Forschung offen und verspricht Durchbrüche, etwa bei der Bekämpfung tödlicher Krankheiten und der Entwicklung neuartiger Materialien. Ein Meilenstein in der Synthetisierung war die Entwicklung einer automatischen Synthesemaschine durch Peter Seeberger, Chemie-Professor an der Freien Universität und Leiter der Abteilung „Biomolekulare Systeme“ am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung. Er ist Leiter der Dahlem-Konferenz, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Als weitere Teilnehmer erwartet werden unter anderem die Professoren Ajit Varki, Jim Paulson und Mark Cummings aus den USA, Mark von Itzstein aus Australien, Naoyuki Taniguchi aus Japan, Markus Antonietti aus Deutschland sowie weitere Wissenschaftler aus Europa.

    Zucker ist weit mehr als ein Süßstoff. Im Jahr 2004 bezeichnete das Massachusetts Institute of Technology die Glykowissenschaft als eines von zehn Forschungsgebieten mit dem Potenzial, die Welt zu verändern. Diese Prognose hat sich durch die rasante Entwicklung des Fachs bestätigt: Längst wird der deutsche Begriff Glykobiologie dem Fach nicht mehr gerecht, denn es geht inzwischen um mehr als nur um Abläufe in lebenden Organismen. So erlaubt die Forschung mit Kohlenhydraten beispielsweise die Schnell-Erkennung von Krankheiten durch innovative Labortestverfahren sowie die Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe. Allein die Arbeitsgruppe von Professor Peter Seeberger in Berlin-Dahlem arbeitet an mehr als zehn Impfstoffen.

    Mittlerweile gibt es weitere Anwendungsfelder: Professor Dr. Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung beispielsweise leitet eine Arbeitsgruppe, die Verfahren erforscht, mithilfe derer Erdöl durch Biomasse ersetzt werden kann. Eingesetzt werden können hier etwa Abfälle aus der Landwirtschaft, Algen und das Holz von Baumkronen. Ein weiteres Feld ist die Erforschung von Möglichkeiten zur Produktion neuartiger kompostierbarer Materialien aus Bausteinen, die in der Natur vorkommen.

    Tagungsleiter Peter Seeberger betont: „Wir sind stolz darauf, dass sich der Raum Berlin-Potsdam zu einem Zentrum der weltweiten Glykowissenschaft entwickelt hat.“ Die Dahlem-Konferenz sei dafür ein Beleg ebenso wie das Glykanforum, das mittlerweile alljährlich in Berlin stattfindet. „Die Teilnehmer der Konferenz verfolgen das Ziel, einen Wegweiser für die Politik, die Öffentlichkeit und die Wissenschaftsgemeinschaft zu verfassen. Denn viele Forscherkollegen wissen noch gar nicht, dass sie gemeinsame Forschungsbereiche mit uns haben.“

    Zeit und Ort
    Sonntag, 18. November (Beginn 10.00 Uhr) bis Mittwoch, 21. November 2012
    Freie Universität Berlin, Clubhaus, Goethestraße 49, 14163 Berlin
    Dienstag, den 20. November 2012, 14.30 bis 15.30 Uhr, Harnackhaus (Ihnestraße 16–20, 14195 Berlin): Rundgang durch Dahlem als Wissenschaftsstandort, Möglichkeit für Interviews
    Journalisten können Interviewtermine mit einzelnen Teilnehmern vereinbaren; Anmeldungen bitte bis Montag, 19. November, 15.00 Uhr: presse@fu-berlin.de

    Weitere Informationen
    Dirk Pohlmann, Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Telefon: 0171/6851813


    Weitere Informationen:

    http://www.fu-berlin.de/sites/dahlemkonferenzen


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Biologie, Chemie, Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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