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11.07.2019 14:07

Wie involviert waren die Altertumswissenschaften?

Dr. Anke Sauter Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

    Studierende der Geschichtswissenschaften nahmen die Fächer Alte Geschichte, Klassische Philologie und Klassische und Vorderasiatische Archäologie an der Frankfurter Universität insbesondere während der NS-Zeit unter die Lupe. Ihre Arbeiten sind jetzt als Sammelband erschienen.

    FRANKFURT. Wann haben Studierende schon die Möglichkeit, bei einer eigenen Publikation mitzuwirken? Dr. Fabian Link und Dr. Roland Färber, beide Historiker, haben ihnen diese Möglichkeit gegeben. Im Sammelband „Die Altertumswissenschaften an der Universität Frankfurt 1914-1950“ haben die angehenden Geschichtswissenschaftler ihre eigenen wissenschaftlichen Texte publiziert. Der im Schwabe Verlag erschienene Band ist gestern an der Goethe-Universität vorgestellt worden.

    Am Anfang stand „eine schlichte Übung“, erzählt Dr. Roland Färber: Zusammen mit dem Kollegen Dr. Fabian Link, Wissenschaftshistoriker, hat der Althistoriker am Historischen Seminar der Goethe-Universität eine Veranstaltung angeboten, deren Titel lautete: „Die Altertumswissenschaften an der Goethe-Universität während des NS-Regimes“. Die Teilnehmer sollten unter Anleitung neues, bisher unbekanntes Quellenmaterial aufspüren und bearbeiten. Ergänzt wurde dies durch die Betrachtung des Lehrangebots jener Jahre.

    Dabei ergaben sich nicht nur eine unerwartete Fülle an neuem Material, sondern auch viele neue Beobachtungen von Seiten der Teilnehmer. Deshalb beschlossen die beiden Seminarleiter: Auf Basis der Hausarbeiten sollte ein eigener Sammelband entstehen. Die Studierenden waren begeistert und nahmen auch in den folgenden Semestern gern an der regelmäßig organisierten Schreibwerkstatt teil. Und auch für bislang noch nicht vergebene Themen fanden sich Studierende, die bereit waren, Zeit und Mühen zu investieren, auch wenn das nicht zu Leistungsnachweisen führte. „Forschung und Lehre gingen hier Hand in Hand“, sagt Färber. Die Teilnehmer konnten miterleben, wie eine Forschungsfrage von der Recherche bis zur Publikation bearbeitet wird. Die Erfahrung, schon früh im Studium selbst wissenschaftlich aktiv zu werden, sei für die jungen Menschen sehr wichtig. Dass Lehrende Lernenden etwas zutrauen, das habe er selbst im Studium als sehr hilfreich erfahren.

    Wie haben sich die Altertumswissenschaften – Klassische Philologie, Klassische und Vorderasiatische Archäologie und Alte Geschichte – in der NS-Zeit entwickelt? Wie haben sich einzelne Personen verhalten? Wie eng haben die Protagonisten der Geisteswissenschaften mit den NS-Machthabern kollaboriert? Herausgekommen ist dabei nicht nur ein Werk über die Geschichte der Frankfurter Universität, sondern auch ein wichtiger Baustein für die Geschichte der Geistes- und Kulturwissenschaften in jener Zeit allgemein. Maßen die Nationalsozialisten dem Altertum in ihrer Weltanschauung doch einen besonderen Stellenwert bei.

    In den insgesamt 19, teils im Tandem verfassten Beiträgen werden die wissenschaftlichen Akteure jener Zeit und ihr Wirken vorgestellt – darunter der klassische Archäologe Hans Schrader und der Althistoriker Matthias Gelzer. Dabei wird deutlich: Es gab weder den großen Aufbegehrenden noch den ganz strammen Nationalsozialisten. Der klassische Philologe Karl Reinhard war einer der wenigen, die zunächst deutlich Stellung bezogen haben gegen die Nationalsozialisten, dann aber habe er doch klein beigegeben. „Aus Sicht friedvoller Zeiten tut man sich immer schwer, sich in das Leben in der Diktatur einzudenken“, sagt Färber. Es sei damals vielen nicht leichtgefallen, sich ihr wissenschaftliches Überleben zu sichern, und so hätten einige sich doch soweit notwendig den NS-Vorgaben gebeugt. Allerdings gab es auch Personen, die die herrschende Ideologie genutzt hätten, um unliebsame Kollegen aus dem Weg zu räumen.

    Eine bedeutende Rolle wird in dem Band auch dem akademischen Mittelbau eingeräumt. So werfen die studentischen Autoren etwa anstelle des Archäologen Guido von Kaschnitz-Weinberg, der bereits in einem Band in der Reihe „Gründer, Gönner und Gelehrte“ gewürdigt worden ist, einen Blick auf seine Assistentin Hilde Heyland, die erste Frau in den Altertumsfächern der Frankfurter Universität, sowie auf Ernst Homann-Wedeking, der die Assistentenstelle ab 1946 innehatte.

    Publikation: Roland Färber und Fabian Link (Hg.): Die Altertumswissenschaften an der Universität Frankfurt 1914-1950. Studien und Dokumente. Basel (Schwabe Verlag) 2019.
    Informationen: Dr. Roland Färber, faerber@em.uni-frankfurt.de

    Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

    Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der drei größten deutschen Universitäten. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist die Goethe-Universität Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. www.goethe-universitaet.de

    Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Dr. Roland Färber, faerber@em.uni-frankfurt.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Geschichte / Archäologie, Kulturwissenschaften, Philosophie / Ethik, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsergebnisse, Studium und Lehre
    Deutsch


     

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