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11.12.2003 11:01

Quo vadis, Konzertpublikum?

Dr. Ralf Breyer Public Relations und Kommunikation
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

    Wohin führt der Weg der Rundfunkorchester und was hat das Publikum damit zu tun

    FRANKFURT. Müssen öffentliche Rundfunkanstalten, die zugleich ein Rundfunkorchester mit Auftritten in renommierten Konzertsälen beschäftigen, künftig mit einem Verlust an Publikum und generell weiter schwindendem Interesse an klassischer Musik rechnen?

    Diese Frage ist nicht nur für die Vielfalt unserer Kulturlandschaft relevant, sondern auch für etliche Arbeitsplätze. Denn längst ist eine Diskussion entfacht, ob die Programmvielfalt mit ihren Nebenerscheinungen eines hoch subventionierten Konzertwesens in Zukunft finanzierbar bleibt.

    Die Legitimation des Publikumszuspruchs für die Konzerte der öffentlich-rechtlichen Rundfunkorchester wäre daher ein bedeutender Indikator dafür, ob zumindest hinsichtlich der Nachfrage Stabilität angenommen werden kann.

    In einem dreisemestrigen Projekt des Instituts für Musikpädagogik unter der Leitung von Prof. Hans Günther Bastian und Dr. Gunter Kreutz in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Rundfunk führte eine studentische Arbeitsgruppe (Studienmodell: Forschen lernen) eine Befragung unter 800 Besuchern eines klassischen Konzertes in der Alten Oper Frankfurt durch.

    Die Fragen zielten - neben der Ermittlung demografischer und sozialer Angaben und Strukturen - auf die Motivation eines Konzertbesuchs, die individuelle Bedeutung für einen Besucher so wie seine Wünsche und Erwartungen an derartige Veranstaltungen und die individuelle musikalische Sozialisation und Konzerterfahrung.

    Die Ergebnisse zeigen generell eine starke 'Musik-Orientierung' des übrigens durchschnittlich knapp unter 60 Jahre (!) alten Publikums. Das Konzert wird primär als Ort des Musikerlebens erfahren, doch sollte die trivial anmutende Erkenntnis nicht den Blick darauf verstellen, dass zumindest aus der Sicht der Konsumenten musikfremde Legitimationen von Konzertereignissen hier sehr beschnitten sind. Mit anderen Worten: Klassische Konzerte werden fast einzig und allein um der Musik willen vor allen nicht-musikalischen Motivationen gebraucht.

    Hinzu kommt eine hohe musikalische Kompetenz des befragten Publikums; etwa 75 Prozent der Besucher hatten mehrjährigen Unterricht auf einem oder mehreren Musikinstrument(en) in ihrer Kindheit erhalten.

    Die Befunde erlauben zwar noch keine gesicherten Schlussfolgerungen, wie sich das Konzertpublikum in Zukunft verhalten wird.

    Gleichwohl deutet sich an, dass ein Bekenntnis zur klassischen Musik von der Sozialisation bestimmt wird.

    Daraus ergeben sich neue Ansatzpunkte für die Musikpädagogik, die sich mit Blick auf den Erhalt des Interesses an klassischer Musik für künftige Generationen vor neue Herausforderungen gestellt sieht.

    Klassische Musik muss ein unverzichtbares Thema des Musikunterrichts an allgemein bildenden Schulen bleiben, alles andere wäre eine sozialpolitische und kulturpädagogische Kapitulation. Musiklehrer sollten sich hüten, bei gedrücktem Kunst-As nur noch einen kumpelhaften Pop-Skat zu dreschen. Ansonsten steht zu befürchten, dass Klassik-Konzerte in absehbarer Zeit ohne Publikum und in Folge davon gar nicht mehr stattfinden - mit entsprechend negativen Konsequenzen für die Stellensituation von Musikern.

    Eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse ist der Dezemberausgabe der Zeitschrift 'Das Orchester' zu entnehmen; der vollständige Bericht kann vom Institut für Musikpädagogik angefordert werden (Stichwort: Quo vadis). Mit einigen Implikationen der Studie, etwa den Effekten von unterschiedlichen Arten von Moderationen, beschäftigt sich ein gegenwärtig im IfMP laufendes Dissertationsprojekt über Kinder- und Familienkonzerte.

    Kontakt: Dr. Gunter Kreutz, Institut für Musikpädagogik, Tel: 798 23775; E-Mail: G.Kreutz@em.uni-frankfurt.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Gesellschaft, Kunst / Design, Musik / Theater
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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