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13.09.2011 20:14

Der Körper als Ware – Buchveröffentlichung

Dr. Manuela Rutsatz Pressestelle
Universität Leipzig

    Markt und Medizin sind enger miteinander verbunden, als es einer auf Rationalität gehenden Gesellschaft lieb sein kann. Was früher der Reliquienhandel war, ist heute der Organhandel. – So die These von PD Dr. Oliver Decker in seiner jüngsten Buchveröffentlichung „Der Warenkörper – Zur Sozialpsychologie der Medizin“. Damit leistet er seinen kritischen Beitrag zum Diskussionsthema "Transplantation und Organhandel".

    Die Ökonomisierung erfasst den menschlichen Körper, er wird zur Ware. Am deutlichsten ist das in der modernen Medizin. Sie braucht den Körper als Ressource, ob in der Stammzellforschung oder der Organtransplantation. So wird der menschliche Körper und werden seine Teile zum Handelsgut. Das war der Körper im historischen Umbruch zur Moderne schon einmal: Der ganz Europa erfassende Reliquienhandel machte menschliche Körperteile zum begehrtesten Handelsgut und zum Heilsgut. Mit dieser Vorgeschichte wird auf einen Schlag sichtbar, dass der Griff nach dem menschlichen Körper keine ökonomische Landnahme ist. Waren-Gesellschaft und moderne Medizin verbindet mehr, als sie an ihrer Oberfläche zu erkennen geben.
    Der für die Psychoanalyse Freuds und für die Theorie Marx’ so zentrale Begriff des Fetischismus wirft ein Licht auf den „theologischen Glutkern“ (Adorno) von kapitalistischem Markt und moderner Medizin. Die „untergründige Geschichte des Körpers“ (Horkheimer/Adorno) ist an zentraler Position in einer Dialektik der Aufklärung.

    Oliver Decker, Jahrgang 1968, studierte Psychologie, Soziologie und Philosophie, war als Diplom-Psychologe wissenschaftlicher Angestellter an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, promovierte in Philosophie an der Universität Kassel und habilitierte sich 2010 an der Leibniz
    Universität Hannover in Sozialpsychologie. Zurzeit ist er Vertretungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Siegen.

    Oliver Decker
    Der Warenkörper
    Zur Sozialpsychologie der Medizin
    ZuKlampen-Verlag
    ISBN 978-3-86674-149-2
    38,00 Euro

    Kontakt:
    PD Dr. phil. Oliver Decker, Dipl.-Psych.
    Vertretungsprofessor für Sozialpsychologie und Organisationspsychologie Universität Siegen
    und
    Selbständige Abteilung Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie Universität Leipzig
    oliver.decker@medizin.uni-leipzig.de


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-leipzig.de/~decker/


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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